Kann man die Neigung zu Verlegenheit überwinden?

Frau deckt Gesicht mit Händen ab

Verlegenheit, Peinlichkeit und Schämen sind eine emotionale Reaktion auf einen unbeabsichtigten Fehler. Jeder Mensch kennt die Erfahrung solcher Gefühle, bei einigen jedoch ist die Schwelle extrem niedrig. Warum neigen manche Menschen mehr zu Verlegenheit als andere und wozu ist Schämen eigentlich nützlich?

 

 

Der Hauptgrund, warum Menschen schneller zu Verlegenheit und Scham neigen hat seine Ursache in der Konditionierung während der Kindheit. Wenn man konditioniert wird, unrealistisch hohe Erwartungen an sich selbst zu stellen und sich dafür verurteilt, diese Ziele nicht erreicht zu haben, ist es kaum ein Wunder, dass die Schwelle zur Peinlichkeit gering ist. Dazu kommt, dass die Gesellschaft uns lehrt, den Wert der eigenen Person durch die Meinung anderer bestimmen zu lassen.

 

Doch die Neigung zum Schämen ist erlernt und nicht angeboren und kann deshalb auch wieder verlernt werden. 

 

 

Betrachtet man die Erwartungen, die man an sich selbst stellt, genauer, wird es meist deutlich, wie unerreichbar die selbstgesteckten Ziele sind, denn irren ist menschlich und niemand ist dagegen gefeit. Ein Mensch empfindet es als peinlich, wenn er in der Öffentlichkeit stolpert. Das heißt, seine Selbsterwartung beinhaltet, niemals zu stolpern und stets sicheren Schrittes zu marschieren, also ein völlige Unmöglichkeit. 

 

Unbeabsichtigte Fauxpas und Missgeschicke sind unschuldige Ereignisse. Statt sich selbst für etwas zu verurteilen, für das man nichts kann, muss man lernen, zu diesen Missgeschicken zu stehen und sich gegebenenfalls zu entschuldigen, falls diese anderen Unannehmlichkeiten verursacht haben. Nur dann werden diese Peinlichkeiten sich in nichtige Momente verwandeln, die man sofort wieder vergisst, anstatt einen jahrelang mit der schamvollen Erinnerung zu quälen. 

 

Verlegenheit gibt es in der Natur nicht, sie ist also einzigartig für Menschen in der Gesellschaft. Auch hat sie keinen biologischen oder evolutionären Nutzen. Sie ist ein Zeichen dafür, dass unser Denken und unser Gehirn sich gegen uns wenden können.

 

Um die antrainierte Verlegenheit zu überwinden, muss man sich erst einmal klar machen, welche Situationen man selbst als peinlich empfindet. Ist es mir peinlich, wenn ich im Restaurant kleckere und auf dem Gehweg ausrutsche? Der nächste Schritt ist, realistisch zu beobachten, dass solche Dinge jedem einzelnen Menschen gelegentlich passieren, also völlig normal und kein Grund zum Schämen sind. Wie kann man sich selbst für etwas verurteilen, was völlig menschlich ist?

Was auch immer die Ursache für das Schamgefühl ist, sich zu schämen hilft weder einem selbst noch irgendjemand anderem. 

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