Herzschmerz, so real wie körperlicher Schmerz

Herzschmerz

Emotionale Schmerzen werden in der Sprache anschaulich beschrieben, so sprechen wir von gebrochenem Herzen, als handle es sich um den Schmerz eines gebrochenen Beines. Tatsache ist, dass seelische Schmerzen nicht nur im Kopf stattfinden, sondern dem Körper buchstäblich Leiden zufügen, ebenso wie körperliche Schmerzen.

 

 

Der Mensch ist von Natur aus gesellig. Das Gehirn ist so programmiert, dass der Verlust sozialer Bindungen als schmerzhaft empfunden wird. Anders als bei machen Tieren, die allein überleben können, wie zum Beispiel die Schlange, sind soziale Bindungen für den Menschen von evolutionärem Vorteil. 

Körperlicher Schmerz ist dazu da, dem Körper zu signalisieren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ebenso werden bei sozialer Isolierung oder dem gesellschaftlichen Verlust eines Partners im Gehirn Signale ausgesendet, die den Menschen dazu motivieren, soziale Bindungen zu finden und zu erhalten. 

Hat gerade der Partner mit einem Schluss gemacht, fühlt sich der Herzschmerz natürlich nicht an wie ein evolutionärer Vorteil. Das Leiden unter emotionalen Schmerzen ist dennoch wichtig für das künftige Überleben in der Gesellschaft.

 

Seelischer Schmerz ist dem körperlichen Schmerz ähnlicher als man denkt. Neurologen haben die Hirntätigkeit bei sozialen Verlusten untersucht. Beide Arten von Schmerz verwenden den gleichen aktiven Hirnbereich. 

Wie fast jeder von uns sicher schon selbst herausgefunden hat, können Worte mehr Schmerz und Schaden verursachen als Objekte. Verbale Aggression im Elternhaus sind vergleichbar mit Gewalt oder sexuellem Missbrauch und können sogar größeren Schaden im Gehirn verursachen. Durch verbale Aggression in der Kindheit kann die Hirnstruktur nachhaltig verändert werden. Das gleiche gilt bei Bullys im Teenageralter: gerade in dieser Phase entwickelt sich das Gehirn besonders und die verbalen Aktionen des Bullys verursachen Veränderungen in der weißen Gehirnmasse.

 

Auch wenn es keine sichtbaren Wunden gibt, heißt es nicht, dass diese nicht buchstäblich vorhanden sind.

 

Manche Menschen sind von Natur aus anfälliger für seelische Schmerzen, ebenso wie andere in der Lage sind, mit körperlichen Schmerzen besser umzugehen. Meist sind es unsichere Menschen, die Angst vor einer Abfuhr haben und leider führt genau diese Angst oft tatsächlich zu einem negativen Erlebnis, denn man neigt zu Überreaktion und Missverstehen der Situation.

 

Nicht nur weiß man inzwischen, dass seelische Schmerz so real sin wie körperliche, auch ist bei beiden der Schmerz größer, wenn der Schaden bewusst zugefügt wurde und es ist schwieriger, sich davon zu erholen.

 

Emotionale und Körperliche Schmerzen sind einander sehr ähnlich, doch unsere innere Einstellung zu ihnen sind grundverschieden. Wir selbst und auch andere haben mehr Verständnis für den "realen" Schmerz eines gebrochenen Beins als für den Herzschmerz nach einer gescheiterten Beziehung. Versteht man, dass wissenschaftlich gesehen kaum ein Unterschied zwischen beiden Arten von Schmerz besteht, verändert das vielleicht unsere Wahrnehmung, die kulturelle Einstellung und die Behandlung. Allerdings gibt es bis dato noch keine Schmerzmittel, die seelischen Schmerz ausreichend behandeln. Oft hilft dagegen nur das Aussprechen mit Freunden und gegebenenfalls eines Therapeuten. 

 

Wenn wir jetzt verstehen, dass seelische Schmerzen realistisch und vorhanden sind, sollten wir uns darauf konzentrieren, weniger bei unseren Mitmenschen zu verursachen und denjenigen, die unter seelischen Schmerzen leiden, besser zu helfen.

 

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