Wie unterstützt man ein schüchternes Kind?

Mutter und Tochter

Jedes fünfte Kind wird mit einer Veranlagung zu Schüchternheit geboren. Nicht jedes davon entwickelt sich allerdings zu einem schüchternen Kind, vieles hängt vom unmittelbaren Umfeld des Kindes ab. Für die Eltern ist es wichtig, ein schüchternes Kind richtig zu unterstützen, damit es durch Hänseleien und Demütigungen keine Komplexe wegen seiner Schüchternheit bekommt, sondern diese als seine normale Charaktereigenschaft kennenlernt.

 

 

Ist mein Kind schüchtern?

 

Ein Kleinkind bis zu 15 Monaten hat instinktiv Angst oder Scheu vor fremden Gesichtern. Bis zu einem Alter von 3 Jahren ist eine gewisse Zurückhaltung gegenüber unbekannten Menschen ebenfalls völlig normal. Verhält sich das Kind extrem scheu im Alter von 5, 6 oder 7 Jahren, handelt es sich wahrscheinlich um Schüchternheit.

Auch muss man betrachten, wie häufig und in welcher Form Ängstlichkeit auftreten. 

Weint das Kind jedesmal beim Absetzen im Kindergarten?

Ist das Kind nicht fähig, auf Gleichaltrige zuzugehen?

Versteckt sich das Kind automatisch hinter den Eltern, wenn sich ein fremder Erwachsener nähert?

 

Je älter das Kind wird und noch immer diese Verhaltensmuster zeigt, umso wahrscheinlicher ist es wirklich schüchtern. Schüchternheit ist weder eine Krankheit noch ein Problem an sich, lediglich muss das Kind lernen, mit seinen Mitmenschen umzugehen. Erst wenn sich extreme Formen der Schüchternheit zeigen wie elektiver Mutismus (wenn das Kind sich weigert, mit bestimmten Personen zu sprechen) oder Sozialphobie (Angst vor Bewertung, Schulangst etc.), sollte man sich ernste Gedanken machen und dem Kind helfen.

 

Wie hilft man dem schüchternen Kind als Eltern?

 

1. Kinder haben es oft schwer genug untereinander, denn die Ehrlichkeit und Offenheit ihrer Altersgenossen nimmt sich das schüchterne Kind sehr zu Herzen. Deshalb sollten die Eltern ironische und spitze Bemerkungen vermeiden, die dazu gedacht sind, das Kind aus der Reserve zu locken. Wenn das Kind es mit echten Ängsten zu tun hat, darf man es auch nicht mit anderen vergleichen. Stattdessen hilft es dem Kind, wenn die Eltern Verständnis für seine Angst zeigen und Wege finden, durch eine einschüchternde Situation zu kommen.

 

2. Besonders wenn die Eltern als Kinder selbst schüchtern gewesen sind und deshalb die Tortur nachvollziehen können, neigen sie zu übermäßiger Beschützung. Man darf dem Kind unangenehme Situation nicht abnehmen, denn dadurch wird es noch schüchterner. Es muss trotz aller Frustrationen und Stress lernen, mit Situationen allein fertigzuwerden. Selbstverständlich sollten die Eltern es dabei unterstützen, wenn auch allein durch ihre körperliche Präsenz, doch sie sollten nicht für das Kind sprechen.

 

3. Die meisten schüchternen Kinder wünschen sich, am Spaß der anderen teilzuhaben. Doch man sollte sie nicht ins kalte Wasser werfen, sondern langsam ihr Selbstbewusstsein aufbauen. Statt es in einen Pulk von Kindern auf dem Spielplatz zu stürzen, kann man dorthin gehen, wenn nur ein oder zwei Kinder da sind. Viele Schüchterne Kinder finden den Einstieg leichter, wenn sie mit jüngeren Kindern spielen.

 

4. Schüchterne Kinder vermeiden Aufmerksamkeit und gehen deshalb oft in der Klasse oder Gruppe unter. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern und Lehrer oder Erzieher miteinander kommunizieren. Oft bekommen aggressivere Kinder bessere Schulnoten, weil sie ständig zu hören sind, während das schüchterne Kind, welches sich weniger beteiligt, oft unberechtigt negativ bewertet wird. Man sollte den Erziehern klarmachen, das Kind aufgrund seiner Arbeit und Fortschritte zu bewerten und nicht aufgrund seiner mündlichen Beteiligung.

 

5. Ein schüchternes Kind kann lernen, mutiger zu werden. Am besten schafft man dies durch kleine Aufgaben, die gerade jenseits der Komfortzone des Kindes liegen, aber ihnen nicht zuviel Überwindung abverlangt. Wenn es diese Aufgaben sicher und selbstbewusst erledigen kann, kann man den Schwierigkeitsgrad erhöhen.

 

 

6. Die Eltern müssen Vorbild sein. Das Kind kann durch Beobachten der Eltern lernen, dass es keine Angst vor bestimmten Situationen zu haben braucht, solange die Eltern demonstrieren, wie entspannt sie einer solchen Situation selbst entgegentreten.

 

7. Viele Situationen kann man vorher üben oder sich mit fremden Umgebungen vertraut machen. So hilft es vielen Kindern ungemein, die neue Schule zusammen zu besichtigen, bevor es dort anfängt. Dabei sollten die Eltern positiv sein und eine positive Einstellung übermitteln. Wenn ein schüchternes Kind vor der ganzen Klasse sprechen muss, ist dies für viele eine Horrorvorstellung. Manchen Kindern hilft es, sich in die Rolle ihres Lieblingshelden oder Schauspielers zu versetzen. Sie agieren dann nicht als sie selbst, sondern als ihre Vorbilder.

 

Übrigens: schüchterne Kinder neigen später weniger dazu, sich Ärger einzuhandeln, denn sie vermeiden das Erregen von Aufmerksamkeit. Auch lernen sie häufig mehr für die Schule, denn sie möchten Kritik vermeiden.